Mit dem Wohnmobil durch Bogotá
Mit dem Wohnmobil durch Bogotá

Heute regnet es in Strömen. Nicht dieses typische Nieseln, sondern richtiger tropischer Regen. Eigentlich die perfekte Gelegenheit, endlich den Juli-Blog zu schreiben. Heute ist der 25. und ich glaube tatsächlich, dass ich ihn diesmal pünktlich zum Monatsende fertig werde. Mal sehen, ob mein Plan aufgeht.

Anfang Juli erreichten wir die Hochebene rund um Bogotá. Unser Stellplatz lag in Cota, etwa eine Stunde mit dem Bus von der Hauptstadt entfernt. Insgesamt fuhren wir während unseres Aufenthalts 3x mit dem öffentlichen Bus nach Bogotá hinein. Jedes Mal mit einem anderen Ziel – und jedes Mal lernten wir diese riesige Stadt von einer neuen Seite kennen.

Bogotá – Zwischen Behördengängen und Graffiti

Unser erster Weg führte uns direkt zur Migrationsbehörde. Unseren Online-Antrag auf die Verlängerung unserer Touristenvisa hatten wir bereits einige Tage vorher abgesendet. 

In der Bestätigung hieß es, wir würden einen Zahlungslink per Mail bekommen. Doch der kam nicht. Das machte uns unsicher. Doch den Weg hätten wir uns sparen können. Der Prozess läuft komplett online ab. 

Unsere Verlängerung kam tatsächlich erst an dem Tag, an dem unser Visum ausgelaufen wäre. Entsprechend angespannt waren diese zwei Wochen für uns. Wir hatten den Online Antrag 14 Tage vor Ablauf gestellt. Rückblickend war das eindeutig zu knapp.

Wir haben euch alle offiziellen Links, die Reihenfolge der Behördengänge und unsere Erfahrungen mit der Visum und TIP Verlängerung in Kolumbien in einem kostenfreien Guide zusammengestellt.

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Bogotá – eine Stadt wie eine dystopische Filmkulisse

Bogotá war für uns die 2. Millionenstadt in Lateinamerika. Rund 10 Mio. Menschen leben hier. Häuser bis zum Horizont –  diese Größe hat uns beeindruckt.

Mein erster Gedanke war tatsächlich: Diese Stadt sieht aus wie die Kulisse eines dystopischen Films. Sie wirkte von Anfang an schwer auf uns. Im Gegensatz dazu wirkte Medellín regelrecht beschwingt.

Überall riesige Gebäude, unzählige Menschen, Baustellen, Straßen voller Verkehr – und dazwischen eine unglaubliche Menge an Graffiti. Ich dachte schon, Medellín hätte viele Wandbilder. Bogotá spielt für mich aber noch einmal in einer ganz anderen Liga.

Vor allem die jüngeren Menschen fielen uns auf. Schwarze Kleidung, Punk-, Grufti- und Alternative-Mode prägten für uns das Straßenbild. Dazu kamen Tattoos, Piercings und ein unglaublich kreativer Ausdruck. Ich hatte das Gefühl, dass sich hier verschiedenste Subkulturen begegnen und gegenseitig inspirieren.

Gerade für Künstlerinnen und Künstler stelle ich mir Bogotá unglaublich spannend vor. Egal ob Street Art, Musik, Tattoo-Kunst oder andere kreative Bereiche – ich kann mir gut vorstellen, dass die Möglichkeiten zur Vernetzung hier riesig sind.

Natürlich gehört auch eine andere Seite zu dieser Stadt. Wie schon in Medellín begegneten uns viele Müllsammler, die mit ihren großen Handkarren verwertbare Materialien sammeln. Außerdem sahen wir viele Menschen, die auf der Straße leben oder um Geld bitten. Auch das ist Teil vom Stadtbild.

Was ich da tun kann, ist: den Scharen von Musikern im Bus und den Bedürftigen kleine Spenden geben. Dafür habe ich immer etwas Kleingeld dabei.

Bogotá – Graffiti District

Natürlich durfte auch ein Besuch im Graffiti District nicht fehlen.

Das Viertel ist ein altes Industriegebiet und gilt nicht unbedingt als besonders sicher. Genau dort wurde auch versucht, mir während des Fotografierens vom Motorrad aus das Handy aus der Hand zu reißen.

Zum Glück blieb es bei dem Versuch. Der Fahrer war erstaunlich langsam. Patrick bemerkte ihn schon vorher, da er ein paar Minuten vorher auffällig langsam um uns herum fuhr.

Er sagte mir, dass er den Fahrer in schwarzer Kleidung komisch und auffällig fand. Ich sagte noch: „Ach der ist nur neugierig!“ Dann kam er zu mir gefahren und griff nach meinem Telefon, das ich blitzschnell wegzog.

In der Situation selber ging alles sehr langsam. Doch als das Adrenalin verflogen war, wurde mir schon etwas schummrig.

Bogotá – Zentrum

Wir schauten wir uns das Goldmuseum an – und staunten nicht schlecht. Die Fahrt von Cota aus mit dem Bus und ab Portal 80 mit dem Transmilenio war ein Abenteuer für sich. Auch die Fahrt mit der Schwebebahn „Taquilla Monserrat Teleférico“ auf den Berg Monserrate durfte nicht fehlen. 

Geh‘ so früh dahin, wie du kannst. Wir waren wochentags gg. 11:00 dort und musste bergauf und bergab jeweils über 1 Stunde warten.

Wir spazierten über die Plaza de Bolívar und gönnten uns anschließend eine Kaffeeverkostung in einem wunderschönen Café. Lange konnten wir allerdings nicht bleiben. Kurz darauf öffnete der Himmel seine Schleusen und wir fuhren mit dem Metrobus zurück nach Cota.

Eine Stadt im Wandel

Was uns ebenfalls beeindruckte: Bogotá ist momentan eine einzige Großbaustelle.

Überall entstehen neue Brücken, Straßen und vor allem die zukünftige Metro. Für die Einwohner ist das im Alltag sicher eine enorme Belastung. Für mich als Fotografin war es dagegen unglaublich spannend. Baustellen erzählen immer auch etwas über den Wandel einer Stadt.

Auch hiervon findet ihr im Anschluss wieder eine kleine Bildergalerie.

Nach einigen Tagen in der Großstadt freuten wir uns wieder auf etwas mehr Ruhe. Die fanden wir nur kurze Zeit später in den Bergen – an einem Ort, den wir wahrscheinlich so schnell nicht vergessen werden.

Entspannung zwischen Regen und heißen Quellen

Nach den aufregenden Tagen in Cota und Bogotá zog es uns wieder hinaus in die Natur. Nur etwa eine Stunde von Cota entfernt fanden wir einen kleinen Stellplatz mit einem traumhaften Blick auf die Cordillera Oriental. Allein diese Aussicht war es wert..

Von dort aus wanderten wir zu einem natürlichen Thermalbad. Es ist touristisch kaum erschlossen und deshalb angenehm ruhig. Als wir ankamen, regnete es in Strömen. Normalerweise hätte uns das wahrscheinlich gestört. Doch diesmal saßen wir bei 39 Grad warmem Wasser mitten im Regen – und hatten das gesamte Thermalbad für uns allein.

Es war einer dieser Momente, in denen man einfach innehält und denkt: Genau deshalb reisen wir. Auch wenn wir auf dem Nachhauseweg vom Regen komplett durchnässt wurden.

Die Wanderung, die Stille und das warme Wasser waren ein wunderbarer Ausgleich zu den Tagen in der Millionenstadt. 

Von den Anden hinunter nach Villavicencio

Anschließend ging es für uns weiter Richtung Villavicencio. Die Straße führt spektakulär durch die Anden und verliert dabei innerhalb kurzer Zeit viele Höhenmeter. Nach den eher kühlen Temperaturen rund um Bogotá wurde es plötzlich wieder angenehm warm.

Die Strecke ist hervorragend ausgebaut. Zahlreiche Tunnel führen durch die Berge und geben immer wieder beeindruckende Ausblicke frei ins Rio Negro Tal freien. Allein diese Fahrt lohnt sich schon.

Viele Straßen sind hier mautpflichtig. Von Bogotá nach Villavicencio zahlst du in Kategorie 3: 23$. An der 1. Mautstation sind wir gleich erstmal umgekehrt.

Wir wurden in Kategorie 2 eingeordnet und sollten fast 30$ zahlen. Übrigens zeigt die Navi App WAZE die Mautgebühren für PKW in Kolumbien genauer an als die Konkurenz.

Allerdings sparst du nicht, wenn du die Umfahrung über die Via Bogotá – Chipaque nimmst. Man zahlt den selben Preis, bevor man wieder auf die C40 wechselt. Unser Weg: wir zeigen immer einen alten Beleg, damit wir die günstigere Kategorie 3 zahlen können.

Landschaftlich ist es die Strecke aber absolut wert. Interessanterweise liegt die Straße in einer geotektonisch aktiven Zone. Das sieht man an einigen Stellen, wo die Straße abgesackt, aber gut fahrbar ist.

Wenn du wissen willst, was uns Kolumbien mit dem Wohnmobil im Monat kostet, findest Du hier – Kolumbien mit dem Wohnmobil: „Foto Love Story: Zahlen & Ausgaben“

Unser Ziel war allerdings nicht die Landschaft, sondern die kolumbianische Zollbehörde. Dort mussten wir das TIP (Temporary Import Permit) für unser Wohnmobil verlängern.

Erst das Visum – dann das Fahrzeug TIP

Für Overlander ist das eine wichtige Information.

Das TIP kann erst verlängert werden, wenn die Verlängerung des Touristenvisums bereits genehmigt wurde. Genau dadurch entstand bei uns ein kleines Problem.

Da unser Visum bis zum letzten Tag in Bearbeitung war, fuhren wir einige Tage mit einem bereits abgelaufenen TIP weiter. Anders war es schlicht nicht möglich.

Trotzdem merkt man in solchen Situationen wieder, wie viel Gelassenheit man auf einer Langzeitreise entwickeln muss. Manche Dinge lassen sich einfach nicht beschleunigen. 

Und das es für uns Menschen, egal welcher Nationalität unmöglich ist, vor Bürokratie zu flüchten, auch nicht auf einer Weltreise.

Villavicencio – Alltag statt Sehenswürdigkeiten

Da wir einige Tage auf die Dokumente warten mussten, hatten wir genügend Zeit, uns Villavicencio anzusehen. Besonders gefallen hat uns der zentrale Park.

Wie schon in vielen anderen kolumbianischen Städten trafen sich dort die älteren Männer zum Schach- oder Dominospielen. Es ist schön zu beobachten, wie selbstverständlich sich die Menschen hier auf öffentlichen Plätzen begegnen. Man sitzt zusammen, unterhält sich, spielt und verbringt gemeinsam Zeit.

Mein persönlicher Eindruck ist, dass sich hier viel mehr gemeinschaftliches Leben im öffentlichen Raum abspielt, als bei uns in Deutschland, wo viele Menschenvereinsamen.

Der Markt – einer meiner Lieblingsorte

Wenn wir in einer neuen Stadt sind, zieht es uns fast immer als Erstes auf den Markt. Dort spielt sich für mich das echte Leben ab.

Zwischen Obstständen, Gemüsekisten, Gewürzen und kleinen Garküchen kommen wir fast automatisch mit den Menschen ins Gespräch. Wir unterhalten uns mit Bauern, Händlern und Verkäuferinnen, erfahren etwas über regionale Produkte und lernen dabei jedes Mal ein kleines Stück mehr über das Land.

Natürlich durfte auch meine Kamera nicht fehlen. Wiedermal sprach uns die Polizei an, dass wir auf unsere Wertsachen achten sollten. Das machen wir übrigens immer. Gürteltasche klemmt unterm Arm, wenn die Kamera auf der Brust hängt. 

Wenn ich nicht fotografiere, kommt sie ebenfalls in die Tasche. Mich macht es traurig, dass meist den ärmeren Menschen unterstellt wird, dass sie stehlen. Bisher haben wir uns auf Märkten immer sicher gefühlt.

Doch das Vorurteil und die Unsicherheit, beklaut zu werden, steckt auch in mir tief. Bin so froh, dass ich trotzdem die Kamera mitnehme, denn die macht einfach echtere Bilder, als ein Handy. 

Beim trotzdem machen habe ich gelernt, wie ich mit dieser Angst umgehe. Sonst könnte ich die meisten dieser Fotos hier nämlich nicht machen, da würde mir echt was fehlen!

Nachdem ich viele Jahre mit analoger und später digitaler Spiegelreflexkamera fotografiert hatte, bin ich jetzt glückliche Besitzerin einer digitalen Kompaktkamera mit Festbrennweite (ohne Zoom). Die Fujifilm X100F ist so klein und unauffällig, dass ich mich viel mehr mit ihr traue als früher.

Streetfotografie macht mir besonders viel Spaß, weil überall kleine Alltagsszenen entstehen: Menschen bei der Arbeit, Begegnungen auf den Wegen, bunte Marktstände oder kurze Augenblicke, die man nur wahrnimmt, wenn man sich Zeit nimmt.

Auch hier findet ihr wieder eine Bildergalerie mit einigen Eindrücken. Du willst mehr von mir übers Fotografieren wissen? Dann schreibe mir gern.

Spanisch lernt man am Besten auf der Straße!

Je länger wir unterwegs sind, desto mehr merken wir, dass wir Spanisch eigentlich gar nicht aus Büchern lernen.

Wir lernen die Sprache jeden Tag. Auf Märkten. An Tankstellen. In Werkstätten. Auf Stellplätzen. Oder einfach, weil jemand unser Wohnmobil entdeckt und neugierige Fragen stellt.

Die Kolumbianerinnen und Kolumbianer sind unglaublich offen. Immer wieder werden wir angesprochen. Viele möchten wissen, woher wir kommen, wohin wir fahren oder wie wir in unserem Wohnmobil leben. Oft möchten sie sich das Fahrzeug ansehen oder machen sogar Fotos davon.

Genau diese Begegnungen sind es. Aus einzelnen Wörtern werden kurze Gespräche. Aus kurzen Gesprächen entstehen richtige Unterhaltungen.

Vor allem bei Patrick merke ich, wie selbstverständlich das inzwischen geworden ist. Er unterhält sich mittlerweile richtig gut mit den Menschen. Aber auch ich spüre, wie mein Spanisch von Woche zu Woche besser wird.

Vielleicht ist genau das die schönste Art, eine Sprache zu lernen: nicht am Schreibtisch, sondern mitten im Leben.

So sind wir bis Mitte Juli zwischen Großstadt, Thermalquellen, Behördengängen und vielen schönen Begegnungen dem Amazonas schon ein gute Stück näher gekommen!

Was uns an der Tür zum Amazonas erwartet, erfährst im 2. Teil vom Juli Rückblog. Dort erwartete uns nicht nur die „Sixtinische Kapelle des Amazonas“, sondern auch jede Menge unerwartete Begegnungen.

2 Gedanken zu „Mit dem Wohnmobil von Bogotá Richtung Amazonas-Regenwald“

  1. Hallo liebe Ute,

    was für ein toll geschriebener und sehr interessanter Reiseartikel! Vor allem die vielen Fotos finde ich wirklich toll.

    Und während ich seit 1144 Tagen Spanisch auf Duolingo lerne, bin ich an deinem Satz hängen geblieben: „Vielleicht ist genau das die schönste Art, eine Sprache zu lernen: nicht am Schreibtisch, sondern mitten im Leben.“

    Wie recht du hast und ich bin ein klein wenig neidisch 🙂

    Habt eine wundervolle Zeit,

    Claudia

    1. Liebe Claudia,

      Danke für die lieben Grüße und schön, dass dir der Artikel und die vielen Fotos magst. Ich muss verrückt sein, soviele Bilder auszusuchen, hochzuladen und zu beschriften. Aber es macht solchen Spaß und lässt mich die Reise doppelt genießen.

      Und ja, das liebe Spanisch: wollte ich seit meiner Jugend können und nun habe ich es fast soweit, wie mein Englisch. Und es lernt sich hier in Kolumbien so leicht, weil die Menschen unheimlich offen und neugierig sind. Da muss man einfach quatschen und das ist sooo viel Wert!

      Danke übrigens für deine Arbeit. Ich bin dran an meiner Landingpage und Co. !!
      Ute

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