Ich kann kaum glauben, wie viel du warst. Du hast so wild angefangen, dass Dein Beginn gefühlt 1 Jahr und nicht erst knappe 30 Tage her ist.

Die Panamericana hat eine Lücke. Sie endet in Panama im Darien und geht erst in Kolumbien weiter. Das Darian Gap ist ein Regenwaldgebiet umkämpft von Narcotraffikantes, der DEA und verschiedenen Indigena Gruppen. Sie ist eine der gefährlichsten Fluchtstrecke weltweit.
Unseren Van mussten wir also nach Kolumbien verschiffen, auf einer der teuersten RoRo – Verbindungen weltweit, obwohl die Überfahrt nur 1 Tag dauert. Selbst fuhren wir mit dem Segelboot von San Blas nach Sapzurro.
Rückblog April: Unser TIP ist „overdued“
Unser Wagen war insgesamt 6 Monate in Panama. Durch unsere Residenz sind wir keine Touristen mehr, unser TIP (temporary import permission od. Spanisch: Permiso de circulación) also overdued (überfällig). Wir hätten das Auto nach 3 Monaten importieren müssen. Wollten wir aber nicht, da Kosten und Zeitaufwand zusätzlich zu Umbauprojekt zu hoch erschien. „Zum Glück“ gingen dann die Bremsen kaputt.
So konnten wir durch eine formlose Bestätigung der Werkstatt unseren TIP kostenfrei über die 3 Monate hinaus verlängern. Doch in Monat 6 hatten wir damit kein Glück mehr und unser TIP wurde doch noch überfällig. Uns drohte eine Geldstrafe von 250$.
Nur mit der Ausfuhr Bestätigung durch die Reederei bekamen wir dieses Dokument, das wir wiederum für die Polizeiinspektion brauchten. Dort wurde per Nachschau über die WIN Nummer unser Eigentum am Fahrzeuges bestätigt.
Durch die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der panamaischen Behörden klappte alles ontime und sogar ohne Geldstrafe. In Deutschland unvorstellbar, dass eine Inspektion auf freundliche Nachfrage 3 Stunden nach Prozessende noch durchgeführt wird. Die Beamten hatten Verständnis für unser Lage. Denn sonst hätten wir unser Schiff verpasst.
Die Tage vor der Auto Abgabe waren intensiv und die Unsicherheit, ob alles terminlich klappt, machten uns nervös. So gab es immer wir Streitereien zwischen uns, die alles zusätzlich kompliziert machten.
Da bin ich doch froh, dass das jetzt geschafft ist und wir hier in Kolumbien am Strand stehen! Wild beschreibt den April im Rückblog einfach am Besten!!!
RoRo Verschiffung nach Cartagena (Kolumbien)
Zum Glück hatten wir durch unsere Agentur, die Overland Embassy einen vollständigen Überblick, welche Dokumente wir wann benötigten.
Die Verschiffung selber ging super easy über die Bühne. Nach der Abgabe des Fahrzeugs im Puerto Manzanillo (Colón, Panama) wurden wir im komfortablen, klimatisierten PKW wieder nach Panama gefahren. Dabei konnten wir uns mit anderen Reisenden austauschen.
Wir haben unterschiedlichste Arten des Reisens kennenlernen dürfen. Meine Highlights waren: 2 Kanadier, die jeweils mit uralten 4×4 Pickups unterwegs waren, mit den sie in Südamerika sicher kaum auffallen werden.
Die Venezolanische Familie von Alejandro kann ich ausnahmslos empfehlen. Besonders der Campground der Overland Embassy in Costa del Este wurde in den letzten 3 Monaten ein Stück Heimat. Das Kommen und Gehen verschiedenster Reisender und ihrer Geschichten – unbezahlbar.
Der Franzose auf seinem Moped, dass er sich in Guatemala gekauft hatte, nachdem er bis dorthin zu Fuß unterwegs war und 2 Motorradreisende, einer mit Hund auf dem Sozius und der andere hatte sein Surfbrett dabei. Sie werden immer in meiner Erinnerung bleiben.
Durch den guten Euro Wechselkurs kamen wir im Endeffekt um einige 100er günstiger über das Darien Gap als kalkuliert. Wenn ich mir das im Rückblog bewusst mache, erscheint mir der Preis gleich nicht mehr ganz so hoch.
Segelboot Tour nach Kolumbien
Unsere Segeltour vom 10.-15.04. von San Blas (Guna Yalla) nach Sapzurro, die ja eigentlich bin Cartagena gehen sollte, war von der Art Abenteuer, die man während des Erlebens nicht genießen kann, sondern erst in der Erinnerung, nachdem sie ein paar Tage vorbei sind.
Unsere Segeltour vom 10.-15.04. von San Blas (Guna Yala) nach Sapzurro, die ja eigentlich bin Cartagena gehen sollte, war von der Art Abenteuer, die man während des Erlebens nicht genießen kann, sondern erst in der Erinnerung, nachdem sie ein paar Tage vorbei sind.
Mein Fazit: Wir haben uns ans Meer gewöhnt. Große Wellen und schaukelnde Boote machen uns nun keine Angst mehr. Bei der mehrtägigen Überfahrt haben wir erfahren, dass Boote nicht so schnell kentern können.
Segeln ist mir persönlich zu technisch und mir fehlt Bewegungsfreiheit. Man sitzt mehr als beim Autofahren, weil man über Tage vom Boot nicht runterkommt, wenn man auf dem offen Meer ist.
Richtig genial waren die Tage im Archipel. Kaum Wellen und wir stoppten 3 mal auf den Inseln von San Blas und machten Besorgungen und kauften zum letzten mal Mola und andere Souvenirs der Kunas. Der Schiffskoch ist selbst ein Kuna und erzählte und zeigte uns ihr Leben auf den Inseln Nargana, Jandub und Ustupu.
Überhaupt ist das San Blas Archipel wohl eines der paradiesischsten Orte des Planeten. Das Tauchen am Korallenriff mit Haien vor Coco Blanco, die riesige Rochen bei Nargana, Delfine und riesige Combombia Muscheln am Strand von Combombia bleiben für immer in unserer Erinnerung.
Mein wichtigstes Fazit: Wenn man sich für eine mehrtägige Tour entscheidet, wo es keine Rückzugsmöglichkeit gibt, sollte man Boot und die Crew vorher persönlich abchecken.
Mit der Agentur seagipsy.com sind wir absolut unzufrieden. Denn am Zustand des Bootes und zB der hygienischen und Sicherheitsstandards nach zu urteilen, hat Seagypsy keinerlei Qualitätsstandards.
Diese Agentur vermittelt überteuerte Mitfahrplätze auf privaten Segelbooten, auf denen sie offenbar keinerlei Kontrollen oder Standards vorschreiben. Die Agentur erhält 20% des Fahrtpreises, was für die schlechte Kommunikation über Preise, Fahrtdauer und Ablauf einfach nur Wucher ist.
Wir hatten auf der ganzen Tour keinen Zugang zu Trinkwasser. Das Wasserfiltersystem war mit Salzwasser kontaminiert und wir mussten ungefiltertes Flusswasser trinken. Zum Glück sind wir nicht krank geworden.
Uns wurden keine Rettungswesten angeboten. Auch nicht bei hohem Wellengang und einem Segeltempo von 8 Knoten auf offenen Meer. Der Kühlschrank ging kaputt. In der reparaturbedürftigen Kajüte regnete es auf unser Bett und beim Wellengang fielen ständig Dinge (auch schwere) aus den Schränken.
Durch die schlechte Kommunikation mit Seagipsy hatten wir eine falsche Vorstellung der Länge der Tour. Die 5 Tagestour dauerte solange wie die 3 Tagestour und so zahlten wir eben auch noch die Lancha und Bustour von Sapzurro bis nach Cartagena.
Doch wurden wir von Necoclí nach Montería wir mit einem Extra Abenteuer belohnt. Der Kleinbus und wir fuhren mit einem Floß über den Fluß.
Die Überschwemmungen im Februar hatten 2 Brücken auf der Strecke zerstört. Willkommen im globalen Süden. Das Klima ändert sich, Regenzeit bleibt aus, oder es gibt schlimme Überschwemmungen. Das ist mir im Rückblog bewusst geworden.
Hafenstadt Cartagena – 711d Abholung
Diese Stadt hat es geschafft, uns für die Strapazen der letzten Tage zu belohnen. Wir checkten in einer geräumigen AIRBnB ein und lernen Stephen kennen, Anfang 30, einen Hamburger Anwalt auf Weltreise.
Nachdem wir am Freitagmorgen die Formalitäten für die Zollabwicklung fürs Fahrzeug auf kolumbianischer Seite erledigt hatten, schwatzte ich 2 Stunden mit ihm und wir tauschen Empfehlungen für unsere Reise.
Schon am nächsten Morgen werden wir unseren 711d abholen. So bleibt uns für die Altstadt 1 ganzer Nachmittag, den wir in vollen Zügen genießen – alte Stadtmauer, Händlerviertel und Altstadt.
Die ist wunderbar – uns aber schon wieder zu voll. Auf dem Plaza de Aduana, dem ehemals größten Sklavenmarkt Südamerikas habe ich ein ungutes Gefühl. Ich mag keine Selfies an Orten machen, wo so viele Menschen gequält wurden.
Richtig gut gefällt uns das alte Händlerviertel Getsemaní. Dort ist es auch ruhiger. Wir werden von Straßenmusikanten angerappt. Es gibt viele schöne Graffiti, gemütliche Straßencafés und jede Mengen Kunst und bunte Blumen.
Mir gefällt das so gut, dass ich meine Entscheidung bereue, keine Reifen dabei zu haben. Doch wir haben noch den frühen Samstag morgen Zeit und kommen also wieder für ein kleines Shooting.
Das ist wieder so ein Moment, wo ich glücklich bin, eben nicht solo zu reisen. Denn allein hat man vielleicht mehr Freiheit, aber eben auch weniger Sicherheit und doppelt zu tun. Ich bin so dankbar, dass Patrick filmt, meine Tasche und meine Schuhe trägt.
Und wieder stolz auf mich selbst: Noch vor wenigen Jahren hätte ich mich das nie getraut. Doch ich komme sofort in den Flow, meine Bewegungen fließen, meine Aufmerksamkeit ist ganz bei meinen Reifen und die Umgebung rückt in den Hintergrund.
Dieses Selbstvertrauen haben mir meine Reifen geschenkt, weil ich ihnen immer wieder meine Aufmerksamkeit schenke. Meine Plastikringe halten mich nicht nur in Bewegung.
Sie heilen meinen Körper, Geist und Seele und können alles sein! Seit neuestem unterstützen sie mich sogar beim Krafttraining. Denn mir sind Liegestütze einfach zu langweilig. Aber wenn ich in der Seitplanke einen Reifen am Bein drehen kann, dann habe ich Spaß 🙂
Dann gehts zur WoMo Abholung. Ich warte an einer nahegelegenen Tankstelle. Bei uns ist alle Okey. Nichts fehlt, außer einer Sonnenbrille. Unsere „Alles offen Strategie“ hat wieder funktioniert, obwohl wir Rechner, Musikinstrumente und weitere Technik mit im Bus verschifft hatten.
Unsere mexikanischen Freundinnen hatten weniger Glück. Ihnen wurden Sachen im Wert von über 2000$ gestohlen. Das hatten wir am Vorabend erfahren und ehrlicherweise konnte ich deshalb kaum einschlafen. „Alles offen“ funktioniert bei uns, weil die Arbeiter theoretisch an alles herankommen, was wir mithaben. Wenn sie unser Auto betreten, sehen sie unser Häuschen.
Unsere Freundinnen hatten den Wohnraum durch ein Brett gesichert. Und wir denken, es erhöht die Motivation zum Einbruch, wenn eine Tür verschlossen ist. Was auch immer du bei RoRo Verschiffung für eine Strategie verwendest: Technik wie Computer, Kamera etc. Solltest du nicht im Wagen lassen. Hoffentlich helfen dir die Erfahrungen in diesem Rückblog für die Planung deines Reiseabenteuers.
Beide krank & endlich richtig ins WoMo einziehen
Zum 1. Stellplatz gefunden bei Ioverlander fahren wir Nähe Turbaca an, ein großes Dorf, auf Empfehlung unserer mexikanischen Freundinnen. Als ich noch am Ankunftstag im TukTuk zum Einkaufen fuhr, realisierte ich am Geruch, wie sehr mich Kolumbien an Indien erinnert.
Das ließ mich heimisch fühlen und ich genoss die Fahrt. Hier wird noch viel auf dem Feuer gekocht und Laub (und Müll) verbrannt. Der Unterschied zu Panama ist schon allein beim Müll Thema überall sichtbar. Müllabfuhr scheint es hier kaum zu geben.
Die Preise im Supermarkt schockieren mich. Meinem Empfinden nach ist es in Kolumbien teurer als in Panama. 1 Woche später beschließen wir nicht mehr im Supermarkt einzukaufen. Die lokalen Lieferketten scheinen weitaus günstiger.
Dann müssen wir eben auf Parmesan und gutes Olivenöl verzichten! Der letzte von 22 Umzügen in 21 Monaten seit unserem Reisestart im Juli 2024 will erledigt werden. Für diesen Rückblog und für Dich liebe Leserin habe ich alle Umzüge nachgezählt. Denn ich bin kein Umzugsfreund, will aber Weltreisen.
Was tut man nicht alles, wenn man seinen Träumen folgt? Sich ändern – und das täglich! So fühlt sich die 1. Woche im WoMo nochmal richtig schwierig an. Denn Einziehen mit Fieber bei 30Grad Hitze eben einfach anstrengend ist.
Alle unsere Dinge wollten zum Xten Mal angefasst und einsortiert werden. Wieder sortieren wir aus. Wissend, dass der Landlord an Locals weiterverteilt. Bis wir dann 8 Tage später gesund und abfahrbereit sind.
Fahren ohne Gurt in Kolumbien ist teuer!
Am 1. Reisetag haben wir direkt knapp 200km bis nach Baranquilla geschafft. Die Stadt ist Geburtsstadt von Shakira und hat nicht viel zu bieten. Doch passierte uns gleich am 1. Abend eine blöde Geschichte mit der Polizei.
Aus Panama gewohnt, ohne Gurt zu fahren, werden wir von einem einzelnen Polizisten angehalten. Der verlangt unglaubliche 400$ Strafe. Wir riefen Martha an und sie redete mit ihm. Erzählt unsere Geschichte, das wir gerade erst hier angekommen sind und die Regeln nicht kannten.
Er geht direkt auf 150$ COP runter. Das ist der Preis, den google angibt. Wir zieren uns, denn die Bezahlung soll auf der Polizeiwache und nicht direkt auf der Straße erfolgen.
Er geht weiter runter mit dem Preis: 120$, immer noch unverschämt für offensichtliche Bestechung. An dem Abend lernen wir: In Kolumbien herrscht strickte Anschnallpflicht für alle Mitfahrer.
Und: maximal 20$ Bargeld einstecken und korrupten Polizisten keinesfalls mehr als das geben. Je mehr du zahlst, desto unverschämter werden sie beim nächsten Verstoß!
Aktuell sind wir im Tayrona Nationalpark, im nördlichsten Teil von Kolumbien, nähe Santa Marta. In die Berge haben wir es noch nicht geschafft, weil wir hier morgen die Nationalparktour bekommen. Ein Freund unseres Panama Freundes hat uns eingeladen. Das lassen wir uns nicht entgehen.
Aktuell reisen wir nicht allein, sondern mit den Las Golondrinas Viajeras, mit 2 geschiedenen Frauen, um die 60 Jahre alt. Sie reisen mit ihrem Wohnmobil und mit ihnen lernen wir spanisch! Die beiden sind herzallerliebst und wir haben jede Menge Spaß zusammen.
Inzwischen sind wir in den Bergen angekommen und stehen auf einer privaten Finca schön auf der Wiese in den Bergen der Sierra Nevada, in Minca, ca 15min mit den Auto von Santa Marta entfernt. Die nächsten Geschichten gibts im Mai Rückblog.
